Copyright: 2017 Jordi Rodríguez-Amat

Dieser Text ist in der Abteilung für Kultur der Katalanische Regierung registriert worden.

 

DER TRAUM VON PYGMALION

 

Jahrelang konnte ich den Weg nicht finden, der mir die notwendige Ruhe meines Geistes erlauben würde, um mich auf dem Pfad zu einem integralen Leben zu bringen. Meine Enttäuschung mit den Frauen von Zypern, die sich der Prostitution, Hexerei und allerlei Zauber widmen, haben mich zum Zölibat gebracht. Ich war vollkommen enttäuscht. Meine Sorge gestattete mir nicht, mich von den Schmerzen, die meine Seele zerrissen, zu befreien. Erleichterung kam nur von der Schönheit, die sich zum Zeitpunkt des schöpferischen Akts in meinem Kopf bildete.

Auf der Suche nach Schönheits- und Liebesideal warf ich mich der Aphrodite zu Füßen, um sie zu bitten, mir zu helfen dem persönliche Elend, indem ich mich befand, zu entfliehen. Meine Gedanken halfen mir nicht, einen Geisteszustand zu erreichen, der mich von der Besessenheit der Schöpfung einer Elfenbeinskulptur befreien konnte. Mit erhobenen Händen betete ich zum Himmel, mir die Kraft zu geben, die Frau meiner Träume zu schaffen. Ohne Pause, Tag und Nacht widmete ich mich der Arbeit. Es bereitete mir Freude, zu sehen, wie die Arbeit an der Skulptur voranging. Die Intensität in meiner Arbeit füllte meine Augen mit Tränen und verursachte Ausschweifungen meiner kreativen Leidenschaft. Manchmal aber schien es mir, dass ich meine Seele nicht weit genug gebracht hatte, um meiner Galatea erfolgreich den Atem des Lebens einzuhauchen.

Ich wollte die Frau, von der ich immer geträumt hatte, in ihrer reinsten Form schaffen. Der Meißel, geschlagen durch die von meinem Herzen ausgehenden Hammerschläge, lies mich tief erschaudern. Das einzige Ziel, das ich hatte, war die perfekte Frau zu schaffen. Noch bevor die Arbeit fertig war, schmückte ich die Skulptur schon mit meinen Küssen. Meine Hände streichelten sie und ich erwartete, dass sie den Atem hole und lebendig werde. Wenn ich nachts aufwachte und nicht mehr schlafen konnte, musste ich zu arbeiten beginnen, so lang, bis ich total erschopft war, obwohl ich dabei körperliche Erschöpfung riskierte.

Wenn ein Künstler nach Sonnenaufgang vor dem rohen Marmor, dem formlosen Elfenbein, oder dem reinen und weißen Papier steht, beginnt ein psychologischer Prozess aus dem Feld des kognitiven Denkens und Angst dringt in seine Seele die ihn zwingt seine kreative Pflicht zu übernehmen. Besinnungslos wirft er sich auf die Arbeit, die ihn nach der Fertigstellung, näher zu Gott bringen wird. Ich war ein Bildhauer, der sich eine Chance geben wollte, sich so als Künstler zu fühlen.

Nachdem ich das große Elfenbein gegriffen hatte, unternahm ich eine lange kreative Reise, die mich mehrere Jahre kosten würde. Eine Reise, die mich letztlich der absoluten Schönheit nähern würde. Schließlich, Galatea vor mir, konnte ich nie aufhören sie zu berühren, zu küssen und zu streicheln. Meine Küsse erwärmten sie und manchmal fühlte ich wie die Hitze ihres Körpers mir meine Adern aufwärmte. Ich musste neben ihr schlafen, manchmal verbrachte ich die ganze Nacht damit, sie zu küssen. Tag und Nacht begab ich mich zu Aphrodite. Ich flehte sie an, warf mich zu ihren Füßen nieder, um sie zu bitten, Galatea Leben einzuhauchen.

Ich war so unglücklich, dass Aphrodite, angesichts meines Unglücks, Mitleid mit mir bekam. Sie drückte mich an ihre Brust und erlaubte mir zu weinen. Das Gefühl in den Armen der Aphrodite und die letzten Tage, deren Holzhammerschläge mich völlig erschöpft hatten, warfen mich in den Schlaf. Der Traum nahm mich und ich dachte, dass ich in den Armen von Galatea lag. Aphrodite streichelte mir über die Wangen, küsste mein Gesicht und ich, in so einer süßen Freude, wollte nie wieder aufwachen.

 

Jordi Rodríguez-Amat
März 2017

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